Unverhofft kommt oft. Nachdem ich die alte Rostmöhre (obwohl ja doch recht gut restauriert) los war, war die Entscheidung klar: nie wieder altes Blech. Dieser innere Zustand veränderte sich im Laufe einiger Monate über "so schlimm war es ja nicht" und "eigentlich wäre ja ein /8er nochmal schön" zu "da muß wieder einer her". Eher beiläufig habe ich dann beim VdH-Stammtisch in Aachen meinen Wunsch geäußert. Monate später sprach mich ein Stammtischkollege an und erzählte von einem Arbeitskollegen, der etwa einmal pro Monat mit einem blauen /8 zur Arbeit kam. Wie sich herausstellte handelte es sich dabei um den Wagen der Großmutter seiner Lebensgefährtin.
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Nach einigen Tagen fand ich mich in der Küche dieser 86jährigen und sehr netten Dame wieder und ließ mir die Autotradition ihres Hauses erzählen. In ihrer Familie wurde schon immer Mercedes gefahren. Es fanden sich sogar Aufnahmen von Pontons und Heckflossen mit Wohnanhängern aus den 60er Jahren. Als 1976 die Heckflosse nach über 300.000 Kilometern nicht mehr wollte, stand die Entscheidung für den nächsten Wagen in dieser Familie schon lange fest: ein Mercedes sollte es sein. Und es wurde ein 240D.
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Die Geschichte dieses Autos stellt sich, trotz hilfreicher Erläuterungen der Vorbesitzerin, undurchsichtig dar. Erstzugelassen am 26. August 1975 finden sich die ersten Kundendienststempel im Checkheft am 1. September 1975 in Värnamo, Schweden (2000-Kilometer-Durchsicht bei Mercedes-Benz Kundendienst-Station "Thitusons Bil AB") und am 19. September 1975 in Bitola in Süd-Jugoslawien (5000-Kilometer-Durchsicht bei Mercedes-Benz Kundendienst-Station "Autoremont", mit kyrillischem Stempel). Nach Aussage der älteren Dame hatte ein jugoslawischer Botschafter den Wagen geordert, verstarb aber kurz vor oder nach dessen Eintreffen. Scheinbar hat besagter Botschafter den Wagen in Stuttgart beim Werk abgeholt und, kombiniert mit einer Urlaubsreise, nach Jugoslawien überführt. Jedenfalls hat Mercedes-Benz selber den Wagen später wieder nach Deutschland reimportiert und erneut zum Verkauf angeboten. Dieses Auto hat die "Oma" dann mit ihrem Mann im April 1976 direkt in Stuttgart beim Werk abgeholt. Der Auslieferungsstempel des Werks Stuttgart im Checkheft ist leider nicht datiert und unterschrieben, es ist also genauso gut für möglich, daß dieser Stempel noch von der Auslieferung an den Erstbesitzer stammt.
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Was habe ich hier also gekauft? Ich habe einen 903-blauen 1975er 240 D/8 aus (mehr oder weniger) erster Hand. Die Laufleistung ist ab etwa 1980 dokumentiert und beträgt beim Kauf 105.000 Kilometer. Von der Ausstattung und der Geschichte her ist der Wagen durchaus interessant, da er eben eine Export-Ausführung ist. Die Datenkarte des Wagens führt folgende Sonderausstattungen auf:
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| Code | Sonderausstattung | Preis (DM) |
| 40/1 | Einzelsitze |
| 42/0 | Getriebe MB-automatisch Mittelschaltung | 1609,50 |
| 47/1 | Export-Ausführung für schlechte Straßenverhältnisse |
| 48/1 | Unterschutz |
| 53/3 | Entstörung (für nachträgl. Radio und FM-Funk) | 49,95 |
| 55/3 | Staubabdichtung für Karosserie |
| 58/0 | Klimaanlage | 2664,- |
| 59/3 | Wärmedämmendes Glas rundum mit heizbarer Heckscheibe und Bandfilter |
| 60/2 | Befestigung für Zollkennzeichen |
| 63/1 | Verbandkasten | 29,97 |
| 66/3 | 50 Liter Kraftstoff |
| 67/7 | Tropenbatterie |
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Außerdem ist ein zweiter Trocken-Luftfilter zwischen dem Ölbadluftfilter und dem Motor (vielleicht ein Bestandteil der Staubabdichtung) und ein rechter Außenspiegel vorhanden. Die "Export-Ausführung für schlechte Straßenverhältnisse" macht sich durch ein höhergelegtes Fahrwerk mit anderen Federn und Stoßdämpfern bemerkbar. Die "Staubabdichtung für Karosserie" besteht, soweit ich sie bisher gefunden habe, aus heute sehr bröseligen Schaumstoffmatten in den Türen. Die Befestigung für das Zollkennzeichen und die Tropenbatterie (angeblich eine Ausführung mit Batteriesäre mit geringerer Dichte) sind heute natürlich nicht mehr vorhanden. Auch die originalen 50 Liter Kraftstoff waren nicht mehr dabei.
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Bei einem Grundpreis von DM 18.426,- wird das Fahrzeug an die DM 25.000,- gekostet haben und ist damit in den Bereich eines nackten 280 E vorgestoßen. Es ist aber anzunehmen, daß der Wagen unter dem Listenpreis verkauft wurde.
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Der Wagen trägt heute noch die ersten deutschen Kennzeichen von 1976, und das wird auch so bleiben. Vor dem Kauf habe ich zusammen mit einem Aachener Stammtischkollegen den Wagen ausführlich nach der exzellenten Kaufberatung des Vereins der Heckflossenfreunde inspiziert. Natürlich ist er nicht rostfrei, aber doch in rostarmem (besonders an den sonst neuralgischen Punkten!) und absolut unverbasteltem Zustand. Die Innenausstattung war wohl seit den ersten Tagen unter Schaffellen und Sofadecken versteckt und befindet sich in jungfräulichem Zustand. Unmittelbar nach dem Kauf ging die Fahrt zu einer auf Mercedes spezialisierten freien Werkstatt, wo umfangreiche Wartungsarbeiten und eine große Inspektion anstanden. Nicht verschwiegen werden sollen die kleinen Roststellen, die sich an jedem alten Auto finden lassen. Schließlich soll es leben und sich nicht in einer Garage totstehen.
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Was noch so mit diesem Fahrzeug geschah:
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In einer Garage im Zentrum Aachens stand der /8 über 20 Jahre lang, davon die letzten Jahre fast unbewegt. Wie unschwer zu erkennen ist war eine Batterie nötig, um diesen Zustand zu ändern. Die Erstbesitzerin nahm dann noch Abschied von ihrem Wagen. Leider ist die Dame in den letzten Tagen des Jahres 1999 verstorben. Für mich ein Grund mehr, den Wagen in Ehren zu halten.
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Die erste große Fahrt verlief erwartungsgemäß problemlos (hier gibt es noch ein ähnliches Bild mit dem glücklichen Besitzer drauf). Die Freude hört vermutlich nie mehr auf! Die Datenkarte des Fahrzeugs (Schlüsselnummer gelöscht) zeigt zwei Auftragsnummern, die sich wie folgt deuten lassen: 1) "5 402 01025" (ursprüngliche Nummer): 5 = Bestellung im Jahre 1975, 402 = Händlercode, in diesem Fall "Tourists (except USA)", 01025 = laufende Nummer für diesen Händler. 2) "05 545 00018" (handschriftliche Korrektur): 05 = Bestellung im Jahre 1975, 545 = Händlercode, in diesem Fall "Yugoslavia", 00018 = laufende Nummer für diesen Händler. Die Geschichte des Fahrzeuges betreffend stellen sich mir zwei Möglichkeiten für die Zuordnung der Nummern dar. Die ursprüngliche Nummer könnte von der ersten Bestellung des Wagens herrühren. Das bedeutet, daß der jugoslavische Kunde den Wagen selber in Stuttgart abholte (das würde "Tourists" erklären), obwohl er ihm ursprünglich über das jugoslawische Händlernetz (die korrigierte Nummer) zugestellt werden sollte. Auch bei der zweiten Auslieferung in Deutschland an die Vorbesitzerin wurde der Wagen direkt in Stuttgart am Werk abgeholt. Auf einer neu ausgestellten Datenkarte könnte so der Händlercode für "Tourists" entstanden sein. Die Zuordnung verschiedener Datenkarten oder Auftragsnummern zu einem Fahrzeug könnte dann nachträglich wieder zurückgenommen worden sein, um keine Verwirrung zu stiften. So fand die urspüngliche Auftragsnummer der Auslieferung nach Jugoslawien wieder auf die Karte. Das dritte Bild zeigt den Fabrikationsstempel der blau getönten Grünkeilfrontscheibe. Schließlich noch eine herbstliche Impression aus Franken.
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Weitere Herbstimpressionen aus Franken, eine kleine Ausfahrt in die Rhön (200/8, 280SE/W116 und mein /8), ein Bild vom Frühjahr 2000 bei einer Ausfahrt in die Rhön und eine Ausfahrt zum Freilichtmuseum Fladungen (280SE/W116, 200/8, 230.6/8 und mein /8).
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Zunächst abendliche Stimmung auf dem Hof des Autohaus Spieß in Dieburg bei der Sternfahrt des /8-Clubs 2000. Ein Bild südlich von Würzburg, eine kleine Ausfahrt im August 2001 mit einem W108 und einem 200/8 (der BMW im Hintergrund zählt nicht) und eine Ausfahrt zum Saisonende 2001 mit W116, zwei W123 und meinem /8 in die Rhön.
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Bei der Hauptuntersuchung 2002. Wie auch schon zwei Jahre zuvor natürlich "ohne Mängel". Die Vorderachse ist sichtbar angerostet, es ist eben kein Museumsstück. Vom Service und der "Oldtimer-Freundlichkeit" der DEKRA in Aachen bin ich recht angetan.
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